In Hamburg kennt selbst jeder Nicht-Segler und Nicht-Motorbootfahrer
den Yachtausrüster A.W. Niemeyer als Institution der Stadt. Nachdem
auch in anderen deutschen Städten Terrain erobert wurde, geht der
Expansionskurs in Richtung Europa.
Interessant ist das Unternehmen auch
als Partner für Bootshändler, die über Nacht das von ihren Kunden
gewünschte Zubeör am nächsten Tag auf dem Ladentisch sehen wollen. Dass
es zwischenzeitlich einmal gar nicht gut um das Unternehmen gestanden
hat und wie es wieder festen Boden unter den Füßen gewann, beschreibt
Hans Wischer.
Anno 2001 – und das ist gerade einmal etwas mehr als sechs Jahre her – kam Michael Ortmüller als Geschäftsführer unter dem damaligen Inhaber Peter Flammang zum Hamburger Yachtausrüster A.W. Niemeyer (AWN). Zu dem Zeitpunkt lag der AWN-Schwerpunkt mit rund 70 % Umsatzanteil im Versandhandel. Die restlichen 30 % wurden im Ladengeschäft erwirtschaftet. Eine Strategie, die – so Michael Ortmüller aus heutiger Sicht – AWN über Kurz oder Lang ins geschäftliche Abseits geführt hätte. Und das obwohl oder gerade weil sein Spezialgebiet zuvor der Versandhandel war – in leitender Funktion beim Otto-Versand, als Geschäftsführer beim Werbegeschenkartikelversender Schneider in Wedel und anschließend bei Conrad Electronic.
Nach Fehlversuchen des damals schon 72jährigen Inhabers Peter Flammung, in der eigenen Familie einen geeigneten Nachfolger zu finden, war es eine der ersten Aufgaben von Michael Ortmüller, einen Investor für das angeschlagene Unternehmen zu finden. In Christoph Kroschke, einem Entrepreneur und Vollblut-Unternehmer, Inhaber der KroschkeGruppe in Ahrensburg, fand Ortmüller den geeigneten Partner. Der allerdings nahm Michael Ortmüller mit einer persönlichen Beteiligung am unternehmerischen Risiko gleich auch persönlich in die Pflicht.
Mit den neuen Besitzverhältnissen konnte Michael Ortmüller die notwendige Umstrukturierung beginnen. Leider zunächst verbunden mit einschneidenden Maßnahmen: einer Reduzierung von zuvor 120 auf 85 Mitarbeiter. Heute werden mit 130 Mitarbeitern mehr als je zuvor beschäftigt.
Am Beginn standen Sortimentsbereinigung und Konzentration auf Artikel, die sich auch verkaufen lassen und die nicht irgendwann einmal als Ladenhüter verschleudert werden müssen. Was zuvor meist modische Textilien und in kurzer Zeit überholte Elektronik-Entwicklungen betraf. Immer noch umfasst das Angebot gut 15.000 Artikel, von denen rund 10.000 im jährlichen Katalog (derzeit mehr als 400 Seiten mit einer Auflage von 250.000 Exemplaren) für das Versandgeschäft vorgestellt werden. Das macht AWN zum größten und einzigen deutschen Vollsortimenter im Yachtzubehörmarkt. Andere Versandhäuser setzen schwerpunktmäßig eher auf Teilsortimente, ob nun Bekleidung, elektronische Ausrüstung oder preiswerte Artikel. Von Schnäppchen ist Michael Ortmüller kein großer Freund: „Wir bieten hochwertige und vor allem langlebige Qualität und Sicherheit, keine Billigprodukte, die beim Einsatz auf See ihre Funktion aufgeben,“ erläutert er seine Strategie. Ein weiterer und wichtiger Aspekt ist für ihn die Wartungs- und Servicequalität seiner Lieferanten, auch in terminlicher Hinsicht. Wenn etwas zu reparieren ist, muss es innerhalb kürzester Zeit erfolgen. Damit die Kunden nicht irgendwo liegen bleiben. Wassersport ist nun einmal ein Saisongeschäft. In Spitzenzeiten gehen aus dem 15.000 qm großen Hamburger AWN-Zentral-Lager jede Nacht bis zu 2.500 Pakete in den Versand.
Für Ortmüller, einem ausgewiesenen Versandhaus-Experten, spielt dieser Vertriebsweg mit gut 30 % Anteil am Umsatz zwar nach wie vor eine wichtige Rolle, aber nicht mehr die wichtigste. Denn er weiß, dass „seine“ Yachties die Artikel, soweit möglich, lieber in die Hand und persönlich in Augenschein nehmen, als eher anonym zu bestellen und abzuwarten, was da per Post ins Haus kommt. Aus dieser Erkenntnis heraus setzte er auf mehr Ladengeschäfte vor Ort. Vor allem dort wo die Kunden wohnen, nicht dort wo sie ihre Boote liegen haben. Denn in der Marina soll bereits alles an Bord sein damit man unbeschwert ablegen kann und die kostbare (Frei-) Zeit nicht durch Einkäufe geschmälert wird.
Mittlerweile erfolgen 60 % des Gesamtumsatzes über eigene Filialen. Deren Zahl hat Michael Ortmüller von zwei in 2001 bis jetzt auf zehn gesteigert. „Vernünftig wachsen können wir nur über Filialen in den Ballungsräumen. Und zwar dort, wo unsere Kunden für ihre Einkäufe ausreichend Parkplätze vorfinden,“ meint Ortmüller. 1a-City-Lagen in Fußgängerzonen mit Parkhäusern weitab kommen für ihn nicht in Frage. Derzeit ist AWN mit eigenen Ladengeschäften in Berlin-Spandau, Berlin-Köpenick, Dormagen zwischen Düsseldorf und Köln, Glücksburg bei Flensburg, Hamburg (2x), Kiel, Lübeck, Mannheim und Taufkirchen bei München präsent. Von Handelspartnern wird das Angebot in Rechlin/Müritz, Winningen/Mosel, Bakista/Polen und in den Hagebau-Märkten in Husum, Lübz, Rostock und für die mecklen-/brandenburgische Seenplatte in Wittstock an der Dosse in Teilen vorgehalten. Für die nahe Zukunft befinden sich weitere Filialen in der Pipeline: drei bis vier in Deutschland (beispielsweise im Großraum Stuttgart, im Ruhrgebiet und in Mecklenburg-Vorpommern, aber auch im ästerreichischen Wien, in der Schweiz und in Barcelona.
Ein Vollsortiment braucht Platz im Ladengeschäft – in Hamburg stehen dafür rund 2.000 qm zur Verfügung,. In den anderen Filialen kaum weniger. Anders ist die Situation bei den Präsentationen in den Hagebau-Märkten Husum, Lübz, Rostock und Wittstock. Mit ihnen zeigt AWN aber auch außerhalb der Ballungsräume in den beliebten Segel- und Motorboot-Revieren Flagge.
Die Geschichte von AWN reicht bis ins Jahr 1745 zurück. Damals gründeten Daniel Wuppermann und August-Wilhelm Schmilinsky in Hamburg einen Eisenwarenhandel, den Amandus Wilhelm Niemeyer 1865 übernahm. Der letzte Niemeyer schied 1972 aus, 2001 übernahm dann Michael Ortmüller das Ruder. Bis zu diesem Zeitpunkt befand sich der Firmensitz am Rödingsmarkt in unmittelbarer Nähe zum Hamburger City-Sporthafen. Seit 2002 ist A.W. Niemeyer zu 90 % im Besitz des Teilhabers Christoph Kroschke und zu 10 % von Michael Ortmüller als geschäftsführendem Gesellschafter. Seitdem befindet sich der Hauptsitz am Holstenkamp in Hamburg-Bahrenfeld. „Hier gibt es, neben weiteren wichtigen Vorteilen, genügend und kostenfreie Parkplätze für unsere Kunden,“ erläutert Michael Ortmüller den angenehmen Nebeneffekt des Wegzuges vom alten Traditionsplatz.
Quelle: www.bwvs.de
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